Die Krise hat System!

Es herrscht Inflation. Aktuell müssen wir, was unsere Lebenshaltungskosten angeht, so tief in die Taschen greifen wie schon lange nicht mehr. Die Preise für Sprit, Strom, Heizung und Lebensmittel sind extrem angestiegen.

Dass nun nicht mehr ausschließlich das Prekariat sondern auch flächendeckend der sogenannte Mittelstand existenziell betroffen ist, lässt viele Menschen angsterfüllt in die Zukunft blicken. Am härtesten trifft es jedoch erneut die Ärmsten. So haben Hartz-4-Beziehende bereits monatlich einen Kaufkraftverlust von 33 Euro zu beklagen – bei einem Regelsatz von um die 440 Euro, wo also schon jeder Cent umgedreht werden muss. Nicht zu vergessen, dass bereits immer weniger Menschen ihre Rechnungen zahlen können oder sogar von Stromsperren betroffen sind.

Wo das Geld fehlt, kann nicht geheizt werden, die Rechnung oder der Sprit für die Fahrt zur Arbeit nicht gezahlt werden. Es drohen Sperren, Zwangsräumungen und Kündigungen. Ein Szenario, dass bei weiten nicht nur Menschen betrifft, welche Sozialleistung beziehen. Die Verantwortung wird von den Profiteuren der Krise zuverlässig an all jene abgegeben, die keinen Einfluss auf die aktuelle Situation haben – auf uns! Dies geschieht stets nach der Devise, dass gemeinschaftliche Gewinne privat verteilt werden. Kommt es aber zu Verlusten oder Krisen dürfen wir alle blechen. Jene Losung ist uns bereits seit der Banken- & Finanzkrise 2008 bekannt. Während die Renditen der Manager und Vorstandschefs das Vielfache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens übersteigt, verloren während der Krise zig Kleinanleger ihr Erspartes.
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Linke Freiräume verteidigen! – Rebellische Strukturen erhalten!

Hier folgt ein Bericht zu unsere Demonstration am 27.8.2022 in Schwarzenberg unter dem Motto „Linke Freiräume verteidigen! – Rebellische Strukturen erhalten!“

Wir trafen uns 13:12 Uhr am Busbahnhof im Erzgebirgischen Schwarzenberg, dem Aufruf folgten etwa 200 Menschen um gegen die Kriminalisierung von Antifaschismus und für den Erhalt von Linken Freiräumen zu demonstrieren. In Schwarzenberg wurde am 27.April aufgrund einer Sachbeschädigung eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Es wurde wegen des Vorwurfs der Plakatierung ermittelt. Das der Aufmarsch von so vielen Bullen unverhältnismäßig war, wurde den Bullen am Tag der Hausdurchsuchung wohl selbst klar, weshalb es dazu bis heute keinen Polizeibericht oder ähnliche Meldungen gibt. 200 Bullen die in den einzigen linken Freiraum im ganzen Erzgebirge einrücken und mit einer scheinheiligen Beweislage ein ganzes Haus durchsuchen, obwohl nur eine Person beschuldigt wurde, das wollen wir nicht hinnehmen.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Menschen, die sich solidarisch zeigen, die mit uns dem Regen getrotzt haben oder welche gespendet haben um die kommenden Repressionskosten zu deckeln oder einfach ein offenes Ohr für die Betroffenen Personen haben.
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10 Jahre Revolution in Rojava

/// Gastbeitrag ///

Am 19. Juli 2012 übernahmen in der nordsyrischen Stadt Kobanî kurdische Kräfte die Verwaltung der Stadt, nachdem sich syrische Kräfte aus dem Norden des Landes zurückgezogen hatten. Was folgte, war die Übernahme der Institutionen auch in anderen Teilen in der Region und was sich daraus entwickelte, war nichts geringeres als eine Revolution inmitten des syrischen Bürgerkrieges. Die Region, in der sich all das abspielte, heißt Rojava (übersetzt in etwa „Westkurdistan“), liegt im Norden Syriens, besteht aus den Kantonen Efrîn, Kobanî und Cizîre und ist mehrheitlich kurdisch besiedelt.

Seit Jahren und Jahrzehnten bereits führte die kurdische Freiheitsbewegung bewaffnete (Guerilla-)Kämpfe in kurdischem Siedlungsgebiet – also von der Südosttürkei, über Nordsyrien, dem Nordirak bis in den Nordwestiran. Gründe dafür waren systematische Unterdrückung, Verbote kurdischer Sprache (etwa in der Türkei), Entführungen, Vertreibungen, Umsiedlungen und nicht zuletzt Genozide. War die ursprüngliche Forderung der kurdischen Guerilla zu Beginn der 80er Jahre noch ein kurdisch-sozialistischer Staat gewesen, so war es 2012 nicht mehr die Staatlichkeit, sondern der Aufbau eines „Demokratischen Konföderalismus“. Beide Ansätze gehen auf den philosophischen Vordenker der Bewegung und PKK-Gründungsmitglied Abdullah Öcalan zurück, der seit 1999 in türkischer Isolationshaft sitzt. 2012 wurde aus der Theorie schnell Praxis gemacht. Flächendeckende Rätestrukturen entstanden und ein Gesellschaftsmodell aufgebaut, das unter anderem auf Werten von Basisdemokratie; der Akzeptanz und Integration jeglicher ethnischer und religiöser Identitäten; Frauenbefreiung und nachhaltiger Ökologie basiert. Genoss:innenschaften, in denen die Arbeiter:innen über die Produktion bestimmen, wurden aufgebaut. Gründung von Kooperativen in allen ökonomischen Bereichen sowie mitunter spezielle Kooperativen, in denen nur Frauen entscheiden und arbeiten; Bildungspolitik mit Fokus auf Frauenbefreiung und Unterricht in jeweiligen Muttersprachen. Aber auch die militärischen Fraueneinheiten der Selbstverteidigungskräfte YPJ sind ein Kind der Revolution. Viele weitere Punkte und vor allem die jahrzehntelange Basisarbeit durch revolutionäre Strukturen machten diesen radikal-demokratischen Gesellschaftsentwurf zu einem Platz der Hoffnung für Abertausende in der ganzen Welt.
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Rebellische Strukturen erhalten, Linke Freiräume verteidigen.

Als Freiraum bezeichnen wir einen Ort, der einerseits kritisches Denken fördert. So soll er der eigenen Individualität freien Lauf lassen und Menschen die Möglichkeit bieten, sich mit sich selbst und Anderen auseinanderzusetzen. Andererseits will ein Freiraum Abstand und Alternativen zu gängigen Ver- und Bewertungsmechanismen schaffen, die den Menschen auf Arbeit, in der Schule oder der Familie einengen. Dieser Raum soll Platz für Projekte wie z.B. einer solidarischen Küche, Diskussionsabende, offene Werkstätten, Konzert- und Proberäume, Vernissagen, Workshops und vieles Anderes bieten. Das so ein Freiraum –als ein selbst-bestimmtes Projekt für alle interessierten Menschen unabhängig von deren Herkunft, Geschlecht, Sexualität und der Größe des Geldbeutels – Nazis und Staat gleichermaßen ein Dorn im Auge ist, verwundert wenig. Und doch könnten die Unterschiede nicht größer sein.
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Kurzfilm über das jüdische Leben in Annaberg

Normalerweise würde am heutigen Samstag – am Wochenende nach dem 09. November – der jährliche Mahngang in Annaberg stattfinden. Dabei haben wir in den vergangenen Jahren Orte jüdischen Lebens besucht und derer Zerstörung und Vernichtung erinnert. In diesem Jahr wird es unsererseits erneut keinen Mahngang geben, dennoch möchten wir der Annaberg Jüdinnen und Juden gedenken.

Aus diesem Grund wurde der Rundgang nun visuell in einer historisch chronologischen Reihenfolge verfasst. Dieses Video erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder historische Präzision. Es entspricht auch nicht den konkreten Reden und Orten des Mahnganges. Vielmehr zeigt der Film einen inhaltlichen Ausschnitt des Buches ‚Juden in Annaberg im Erzgebirge‘ von Adolf Diamant und soll zum Nachlesen, Erinnern und Gedenken der Israelitischen Religionsgemeinschaft Annabergs anregen. Dem Reprint, welchem auch die Bilder entnommen wurden, empfehlen wir für detailliertere Hintergründe zu jüdischen Familien in Annaberg.

Hintergrundmusik:
Kaddish 1 · Mathieu Lamboley · Justine Metral
Sigmund Freud, un Juif sans Dieu (Bande originale du documentaire)
Komponist: Mathieu Lamboley

Pressemitteilung anlässlich der Antifa-Demo in Zwönitz

Am 31. Juli fanden sich 350 Menschen in Zwönitz zur antifaschistischen Demonstration ‚Schicht im Schacht – faschistische Normalisierung durchbrechen‘ zusammen.

Bereits im Vorfeld der Demonstration gab es einerseits zahlreiche Vorbehalte bis hin zu Verschwörungen. So wurden uns gezielte Plünderungen und Brandsetzungen unterstellt. Die haltlosen Vorwürfe sorgten in der Stadtbevölkerung für ein Klima voller Misstrauen und Abneigung, welches von zahlreichen Lügen der Freien Sachsen befeuert wurde. Andererseits ist im Umfeld der Freien Sachsen und anderer rechten Telegramm Chats zu Mord- und Lynchtaten aufgerufen worden.

So kam es zu mehrfachen Angriffsversuchen auf unseren Demonstrationszug. Der Erste ereignete sich kurz vor der ersten Zwischenkundgebung an der Grundschule, wobei ein Polizeibeamer von einer Packung Eier getroffen und von unseren Demosanis verarztet wurde. Die weiteren Angriffe geschahen im Umfeld der zweiten Kundgebung an der Zwönitzer Brauerei. Hierbei gelang es drei Nazis bis zum Lautsprecherwagen vorzudringen, welche jedoch zurückgedrängt worden. In der Folge kam es zu einem letzten Angriff über den angrenzenden Friedhof.

Unseren Infos zufolge befanden sich etwa 70 Nazis in Kleingruppen verteilt im Zwönitzer Stadtgebiet. Diese stammten teilweise aus Leipzig und Zwickau, kamen aber vorwiegend aus dem Erzgebirge. Hierbei lässt sich erneut die Farce der zugereisten Neonazis widerlegen. Die Angriffe sowie die lokalen Reaktionen auf unsere Demo zeigen eines deutlich: die erzgebirgische Gesellschaft hat ein grundlegendes Verständnisproblem für die Notwendigkeit von Antifaschismus. Die Auswirkungen dessen, werden an den nächsten Montagen erneut zu sehen sein.

Dieser Lethargie konnten wir ein, wenn auch kurzweiliges, aber kämpferisches Zeichen entgegensetzen. In den zahlreichen Redebeiträgen wurde die rechte Kontinuität des Erzgebirges thematisiert. Menschen aus Freiberg und Zwickau wiesen auf Parallelen zu anderen sächsischen Provinzen hin. Und Jürgen Kasek sprach über die Rolle des Verfassungsschutzes im Zusammenspiel mit den lokalen Naziszenen.

Die Polizei schien trotz Helikopterunterstützung mit der Gesamtsituation abschnittsweise überfordert. Für gezielte Festnahmen der Nazis waren sichtlich zu wenig Kräfte vor Ort – ein Zustand der bei antifaschistischen Blockadeversuchen selten der Fall zu seien scheint. So ist unter anderem die Zurückhaltung auf dem Friedhof ‚um eben keine negativen Bilder zu erzeugen‘ (sinngemäße Aussage eines Polizisten zur Versammlungsleiterin) zu deuten. Kurze Zeit später schien die Polizei doch sichtlich genervt und verscheuchte lautstark eine Kleingruppe. Dabei wurde laut Angaben eine Person festgenommen. Mit unserem Demonstrationszug kam es zwar zu keinen Zusammenstößen, Spannung lag dennoch in der Luft. Teilnehmer:innen wurden teilweise geschubst und unserer Demonstrationszug wurde stets eng zusammengetrieben. Aus diesem Grunde sei nochmal an die Worte der Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano erinnert:

Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen.

Antifaschistischer Selbstschutz ist immer noch wichtig. In diesem Zuge möchten wir den Menschen von nah und fern danken, die es sich nicht nehmen ließen, unserer Demonstration beizuwohnen. Dieser Dank gilt auch allen Menschen und Gruppen, die einen Redebeitrag hielten.

Es liegt nun an der Zwönitzer Stadtgesellschaft in Zukunft, auf die faschistischen Umtriebe in ihrer Stadt einerseits aufmerksam zu machen und andererseits diese zu vereiteln. Für beides stehen wir mit Rat und Tat als Partner zur Verfügung.

Spektrum 360.

Foto: Johannes Grunert

Schicht im Schacht – Infos zur Demo

Im Folgenden möchten wir konkrete Informationen zur anstehenden Demonstration am 31.07 in Zwönitz herausgeben.

Auftaktkundgebung
Anders als in Aufruf & Plakaten werden wir weder am Markt noch an Bahnhof starten. Die genehmigte Auftaktkundgebung ist auf der Von-Otto-Straße an der Ecke zur Erhardtgasse. Dies ist auf der halben Strecke zwischen Markt und Bahnhof und ist auch für ortsunkundige Menschen gut einsehbar.

 

Anreise
Aus verschiedenen Städten werden geschlossene Busanreisen organisiert, die wir hier verlinken werden. Für Tickets fragt in eurer Stadt nach.

Eine Anreise per Bahn gestaltet sich schwierig, da auf der Strecke Chemnitz-Zwönitz Schienenersatz (Linie 361) verkehrt.

Mobimaterial
Wie ihr seht, sind bei uns A2 Plakate eingetroffen. Sticker mit dem Demomotiv folgen die noch. Wenn ihr eure Stadt damit verschönern wollt, könnt ihr uns per Mail kontaktieren. Die Plakat-Vorlage gibt es auch hier. Ähnlich verhält es sich mit den Motiven für die Online-Mobi.

  • Plakat A2 zu Selbstdruck inkl. 3mm Schnitt (Achtung: Startpunkt noch nicht aktualisiert!)
  • Header & Sharepic für Online-Mobi

In den folgenden Wochen werden wir weitere Infos veröffentlichen – teilt sie mit euren Freund*innen und Genoss*innen. Macht gerne auf die Demo aufmerksam und organisiert euch Anreisen aus eure Stadt. So helft ihr uns am meisten!

 

Mobivideo zur Demo

Anonyme Zusendung: Ersteller*innen des Videos sind nicht identisch mit den Betreiber*innen der Seite.

Das Video soll nicht zu Gewalt- oder Straftaten aufrufen oder diese verherrlichen. Das Teilen dient lediglich der Dokumentationvon Mobiaktionen im Hinblick auf die antifaschistische Demonstration am 31.07 in Zwönitz.

Die Auftaktkundgebung ist auf der Von-Otto-Straße an der Ecke Erhardtgasse!

Es gibt kein ruhiges Hinterland!

Seit Wochen treffen sich wöchentlich hunderte Menschen auf den Straßen von Zwönitz, um gegen die Coronamaßnahmen zu protestieren. Darunter tummeln sich mit Michi Brück (die Rechte), Erik Weber (Freie Sachsen), Stefan Hartung (NPD), zahlreiche Parteinazis. In diesem Umfeld agieren immer selbstbewusster Jungfaschos, Sportis und Hools. Sie machen Journalist*innen sowie Menschen, die  andersartig oder -denkend sind, zum Ziel ihres Hasses.

Wer denkt diese Zustände fallen vom Himmel ist entweder politisch blind oder völlig abgestumpft. Dabei scheinen Verbohrtheit, Stumpfsinn und Heimattümelei hierzulande Volkssport zu sein. Seit Jahren werden faschistische Tendenzen kleingeredet und Vorfälle beschönigt, um das Idyll Erzgebirge zu bewahren. Ob die Verbindung des NSU in die Region, das Aufkommen der Schneeberger Lichtelläufe oder der Mord an Christopher W. – es gab genug Anzeichen für derartige Auswüchse.

Deshalb sagen wir: Jetzt ist Schicht im Schacht! Kommt am 31.07.2021 um 14:00 Uhr nach Zwönitz  auf den Markt, um die faschistische Kontinuität zu durchbrechen. Wir werden diese Zustände nicht unkommentiert lassen!

Aufgrund fehlender öffentlicher Verkehrsmittel müsst ihr auf eine selbstorganisierte Anreise mit Bussen oder Pkw zurückgreifen.

Alerta Genoss*innen!